Krank durch Küchenplastik

Gesundheitsgefahren durch Küchenhelfer aus Kunststoff

Schon seit Jahren gibt es Erkenntnisse über Gesundheitsrisiken bei der Verwendung von Kunststoffen im Nahrungsmittelbereich. Zunächst waren es die Weichmacher, dann war es Mikro- und Nanoplastik. In einer aktuellen Veröffentlichung warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nun vor dem Gebrauch von Küchenhelfern aus Polyamid.

 

Mit Plastik bist Du zu Hause

»Es gibt Plastik in deinem Toaster, im Mixer und in der Uhr, in der Lampe und im Röster, in der Tür und auch im Schloss, in der Waschmaschine und im Trockner, und in deinen Gartengeräten. In deinem Musikverstärker und in deiner Fritteuse hast du einen Plastikfreund. …« (amerikanischer Werbesong aus den Sixties, präsentiert in der Doku Die Erdzerstörer (Jean-Robert Viallet, 2019) Inzwischen sind solche plüschigen Werbesprüche zu Grundfesten der Moderne erstarrt. Plastik wird akzeptiert als die Lösung aller Probleme und ohne geht es angeblich nicht mehr. Und damit ist Plastik zu einem der größten Probleme unserer Zeit geworden.

Zuerst habe ich mich also in meiner eigenen Plastikwelt umgesehen. Schon in meiner Kindheit mochte ich das Küchenplastik meiner Mutter nicht. Darüber nachsinnend, was es eigentlich war, so kommt mir zuerst der typische leicht muffelige Geruch dieser Gerätschaften in den Sinn. Ob Schüsseln, Tassen, Löffel, Aufbewahrungsboxen –  der leicht chemisch-parfümierte Geruch fabrikneuer Plastikgerätschaften weicht alsbald einem leicht muffeligen Alltagsgeruch.
Auch die leicht angeschmorten abgenutzten Kanten der Kunststoff-Pfannenwender und -kochlöffel widerstrebten mir. Ab und zu fanden sich auch kleine Plastikpartikel davon im Essen. Sodann die Rührschüsseln mit ihren zerkratzten Innenseiten, die Bretter mit den zerschnittenen Oberseiten.  Damals war das nur kindliches Bauchgefühl und dennoch bereits absolut richtig. Heute ist es gesetzte Erkenntnis – Kunststoffe sind ungeeignet, um Nahrungsmittel zu verarbeiten. Auch von Kunststoffbeschichtungen wie Teflon ist abzuraten.
Plastik verkeimt leicht, es nimmt Geschmack an und es gibt diverse Stoffe ins Essen ab. Phtalate, Bisphenol A … und nun Oligomere aus Polyamid-Gerätschaften. Doch dies ist sicherlich noch längst nicht die ganze Wahrheit über Kunststoffe in der Küche.

 

Jeder Werkstoff verliert Substanz

Grundsätzlich verliert jeder Werkstoff beim Gebrauch Substanz in Form von (Nano-)Partikeln, Ionen etc. Und damit stellt sich auch immer die Frage: giftig oder harmlos? Bei Kunststoffen ist davon auszugehen, dass neben Beistoffen auch Partikel abgelöst werden. Wenn ich also z. B. Eischnee in der Kunststoffschüssel aufschlage, gehen immer auch feine Kunststoffbrösel mit ab, die zudem dann mitgebacken werden. Wenn ich ein Kunststoffbrett benutze, schneide ich immer auch feine Kunststoffpartikel aus dem Brett heraus. Betrachten Sie einfach ihre Kunststoffgeräte … alles was dort fehlt, haben Sie bereits mitgegessen.

Und damit stellt sich die konkrete Frage: Möchte ich diese Partikel in meinem Essen haben? Über Nanoplastik weiß man bereits, dass sie vom Körper aufgenommen werden und dass sie sich in Immunzellen wiederfinden. Offenbar können sie Entzündungen auslösen, doch ist über die gesundheitlichen Auswirkungen letztlich fast nichts veröffentlicht. Wir befinden uns hier einmal mehr in einem unfreiwilligen Menschenexperiment. Die Industrie macht und ob es uns schadet werden wir dann schon sehen. Ob wir das mit unserer Gesundheit bezahlen, hat die »Gobal Player« dabei noch nie gekümmert. Möchten wir uns also zu Versuchskaninchen solcher Dollarjunkies machen?

 

Das BfR warnt vor Küchengerätschaften aus Polyamid

Das BfR warnt aktuell davor, dass Kochlöffel, Pfannenwender etc. aus Polyamid Oligomere ins Essen abgeben, besonders bei Temperaturen über 70° C (zur Veröffentlichung). Diese Stoffe werden aufgenommen und können Gesundheitsschäden verursachen. Deshalb empfiehlt das BfR, solche Utensilien möglichst nur kurz mit dem Essen in Kontakt zu bringen.
Ich bin zunächst dankbar für diese Empfehlung. Leider ist sie reichlich weltfremd. Entweder wendet man das Bratenstück, rührt und schöpft das heiße Essen. Dann werden die Gerätschaften eben deutlich über 70° C heiß und haben länger … und vor allem regelmäßig … Kontakt mit dem Essen. Oder die Gerätschaften sind nur Zierrat. Dann sollten sie auch in eine museale Ecke verbannt werden.

Nun, wir (Bernhard und Eva-Maria) nehmen seit langem Pfannenwender, Kochlöffel etc. aus Holz. Natürlich nimmt auch Holz Geschmack an, so dass wir für pikante und süße Speisen getrennte Gerätschaften haben. Holz ist nicht spülmaschinengeeignet. Dafür ist es auch ohne Spülmaschine hygienisch und die abgelösten Holzpartikel sind harmlos.

Kunststoff- oder Holzbrett

Ähnlich verhält es sich mit den Schneidebrettern. Lange wurden Kunststoffbretter als superhygienisch dargestellt und die Gastronomie wird genötigt, sie weiterhin zu verwenden. Dabei sind sie schlicht unhygienisch. Durch das Schneiden geben sie ebenfalls Partikel ins Essen ab. Zudem bleiben sie lange feucht und so gedeihen darauf Bakterien prächtig. Man muss sie also regelmäßig in die Spülmaschine stecken für ein Mindestmaß an Hygiene, wobei sie sich aber verformen. Mit den wackelnden rutschenden Brettern wird dann auch noch das Schneiden zur Herausforderung. Zusätzlich leidet die Schneide der Messer beim Arbeiten auf Kunststoff.

 

Holz ist hygienischer als Kunststoff

Kurz: ich empfehle Küchengeräte aus nickelarmem Stahl, Glas und massivem Holz. Pfannenwender, Kochlöffel und Schneidebretter etc. aus Holz sind deutlich hygienischer als die Kunststoffvarianten. Rührschüsseln aus Edelstahl sind robuster und praktischer, weil sie auch erwärmt oder heiß befüllt werden können. Zum Aufbewahren sind Glasschüsseln mit dichtschließenden Deckeln hygienischer.

Holzgerätschaften wollen allerdings gepflegt werden. Nach dem Gebrauch sollten sie umgehend gereinigt werden und luftig aufgestellt werden, damit sie rasch trocknen. Eine gelegentliche gründliche Reinigung mit anschließendem Ölen (z. B. Olivenöl) erhöht die Funktionalität.
Da Holz Geschmäcker stärker annimmt, ist es auch empfehlenswert, für süße und pikante Speisen jeweils eigene Holzgerätschaften zu benutzen. Sonst kann der Frühstücksbrei schon mal nach Zwiebeln und Knoblauch schmecken. Das ist zwar nicht unhygienisch aber un-cool-inarisch, kurz »uncool«.
Für die Schneidebretter empfehle ich je ein eigenes Brett für Obst/Nüsse/Süßes – Gemüse – Fleisch/Fisch. Damit bekommen wir auch die Hygiene bei der Verarbeitung tierischer Produkte gut in den Griff.

Hygiene ist nicht Sauberkeit

Der Begriff »Hygiene« meint übrigens etwas anderes als Sauberkeit. Hygiene bezieht sich auf gesundheitsfördernde Umstände ganz allgemein und fokussiert die Sauberkeit nur soweit wie sie der Gesundheit dient. Stattdessen stehen der Umgang mit Bakterien und Gesundheitsgefährdungen aller Art im Mittelpunkt. Das wohlgemeinte eifrige Wischen und Desinfizieren mit chemischen Mitteln ist also sehr sauber, aber sehr unhygienisch.